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Ökotest testet Grillfleisch – „Grillfleisch unter aller Sau“

Wenn das marinierte Nackensteak auf dem Grill brutzelt und es dazu Kartoffelsalat und Bier gibt, ist ein Gedanke ganz weit weg: der an das Schwein. Und das nicht ohne Grund: Das Produkt Fleisch ist längst entfremdet von seinem Ursprung, dem Tier. Die riesigen Schlachtfabriken haben sich draußen auf der grünen Wiese angesiedelt, weit weg von den Blicken der Konsumenten; auch die Höfe, auf denen Tausende von Tieren „produziert“ werden, öffnen ihre Tore selten. Und das abgepackte und marinierte Steak erinnert nur wenig an das Tier, gar nicht an seine Haltungsbedingungen.

 

ÖKO-TEST hat 13 abgepackte, marinierte Grillsteaks aus Supermärkten, Discountern, Verbrauchermärkten und Bioläden getestet.

 

Das Ergebnis ist erschreckend:

Im Aldi-Steak (4,65 Euro pro kg) konnten die Prüfer Antibiotikum nachweisen

viermal wurden antibiotikaresistente Keime gefunden: in den Produkten von Dornseifer, Kaufland und Schulte+Sohn.

Zwei der untersuchten Chargen der Grillprodukte von Rewe/Ja! „Schweine-Nackensteaks in Paprikamarinade“ (4,65 Euro pro kg)  waren zum Ende der Mindesthaltbarkeitsfrist bereits verdorben. Sie wiesen grau-grünliche Verfärbungen auf und deutlich erhöhte Keimzahlen über dem Richtwert.

Neunmal vergab der ÖKO-TEST das Gesamturteil Ungenügend, einmal Mangelhaft, einmal Ausreichend

nur zweimal Gut, darunter zwei Bioprodukte: Packelhof Schweinenackensteak mit Bioland-Siegel (14,90 Euro pro kg) und Schröder’s Bio mit Bioland-Siegel (20,90 Euro pro kg).

 

Der hohe Preis fürs Billigfleisch

Auch die Tierhaltung war für ÖKO-TEST ein Bewertungskriterium. Dabei sieht das durchschnittliche Bild, also der Produktionszyklus eines Mastschweins, alles andere als rosig aus, eher wie ein Schreckensszenario: Höchstens drei Tage alt ist ein Ferkel, dessen Ringelschwanz ohne Betäubungsmittel abgeschnitten wird. Fürs Mastschwein heißt es, möglichst schnell, möglichst viel zunehmen: 800 bis 900 Gramm pro Tag. Das Futter besteht aus Kraftfutter, es gibt keine Bewegungsmöglichkeiten, die Tiere stehen auf Spaltböden und verletzen sich an Klauen und Gelenken, dadurch kommt es zu schmerzhaften Entzündungen. Auf dem Weg zum Schlachthof hat ein 110 Kilogramm schweres Mastschwein gerade mal einen halben Quadratmeter Platz. Dann werden die Tiere betäubt – mit Strom oder Kohlendioxid. Beide Methoden funktionieren nicht zu 100 Prozent. Einige der Schweine werden auch ohne vorheriger Betäubung getötet.

Natürlich gibt es auch in der Bio-Branche Probleme. Etwa die betäubungslose Kastration von Ferkeln. Dennoch zeichnet sich bei den Bio-Bauern ein deutlich besseres Bild ab als in der konventionellen Tierhaltung: Die Schweine haben Stroh, leben nicht auf Vollspaltböden, bekommen keine Antibiotika. Außerdem haben sie mehr Platz, Auslauf, bekommen kein gentechnisch verändertes Futter und die Schwänze werden nicht kupiert.

ÖKO-Test rät davon ab konventionell hergestellte Grillsteaks zu kaufen. Weniger sei mehr – das gelte für Fleisch ganz besonders. Wer also gesünder und mit gutem Gewissen grillen will, sollte besser hin und wieder ein Stück teures Bio-Fleisch kaufen oder auf Wildfleisch aus der Region zurückgreifen, als das konventionelle Fleisch zu erwerben.

 


Quelle:
http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=106331&bernr=04
http://www.stern.de/genuss/essen/grillfleisch—unter-aller-sau-6325296.html

 

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